Höhenkrankheit (AMS)

Die Höhenkrankheit (Acute Mountain Sickness) ist kein Schicksal, sondern meist die Folge von zu schnellem Aufstieg. Mit dem richtigen Wissen und dem nötigen Respekt vor den Bergen ist sie fast immer vermeidbar.

Die kritischen Zonen

Mit steigender Höhe sinkt der Luftdruck und damit die verfügbare Sauerstoffmenge. Auf 5.000 Metern steht deinem Körper nur noch etwa die Hälfte des Sauerstoffs im Vergleich zum Meeresspiegel zur Verfügung.

  • 0 – 3.000 m: In der Regel problemlos, kaum Symptome zu erwarten.
  • 3.000 – 5.100 m: Höhenprobleme möglich. Vollständige Akklimatisation ist bei richtigem Tempo möglich.
  • 5.100 – 7.500 m: Nur unvollständige Anpassung. Der Körper baut langsam Kraftreserven ab.
  • Über 7.500 m: Die „Todeszone“. Kein dauerhafter Aufenthalt möglich; der Körper verzehrt sich selbst.

Wie erkenne ich AMS?

Jeder Mensch reagiert anders. Es ist normal, dass der Puls steigt, die Atmung schneller wird und man sich nach einem langen Tag erschöpft fühlt.

Warnsignale (Alarmstufe Gelb):

  • Starke, langanhaltende Kopfschmerzen
  • Anhaltende Appetitlosigkeit oder Übelkeit
  • Schwindelgefühl und Schlafstörungen
  • Extreme Erschöpfung (unverhältnismäßig zur Belastung)
Wichtig: Sei ehrlich zu dir selbst und deinem Guide. Falscher Ehrgeiz („Ich bin fit, das wird schon“) ist in der Höhe lebensgefährlich.

Wie vermeide ich AMS?

Das Zauberwort heißt „Bistari, Bistari“ (nepalesisch für „langsam, langsam“). Dein Körper braucht Zeit, um mehr rote Blutkörperchen zu bilden.

Die Goldenen Regeln:
  • Maximal 300–500 Höhenmeter Schlafhöhen-Differenz pro Tag.
  • Viel trinken (4–5 Liter Wasser/Tee täglich). Kein Alkohol!
  • Ab 3.000 m alle 1.000 Höhenmeter einen zusätzlichen Ruhetag einlegen.
  • Jede ernsthafte Störung gilt als AMS, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Was tun bei Symptomen?

Es gibt bei echter Höhenkrankheit nur eine wirksame Medizin: Sofortiger Abstieg!

Bereits ein Abstieg um 500 bis 1.000 Höhenmeter lässt die Symptome meist sofort verschwinden. Erst wenn der Patient absolut symptomfrei ist, darf nach 1–2 Tagen Ruhe ein neuer Aufstiegsversuch gewagt werden.

Diamox zur Prophylaxe?

Diamox (Acetazolamid) kann die Anpassung unterstützen, ist aber kein Wundermittel und hat Nebenwirkungen (z. B. Kribbeln in Fingern/Zehen, verstärkter Harndrang).

Unsere Empfehlung:

  • Gesunde Trecker: Kein Diamox nehmen. Lerne deine natürlichen Grenzen kennen.
  • Bei Vorerkrankungen: Nur nach Rücksprache mit einem Höhenmediziner einsetzen.

Hochalpin: Über 6.000 Meter

Bei schweren Formen wie dem Lungenödem (HAPE) oder Hirnödem (HACE) besteht akute Lebensgefahr. Typische Zeichen sind Rasselgeräusche beim Atmen, blutiger Auswurf oder Bewusstseinstrübung.

Notfall-Medikation (Nur zur Zeitüberbrückung bis zum Abstieg!):

  • Dexamethason: Bei Hirnödem (HACE).
  • Nifedipin: Bei Lungenödem (HAPE).
  • Sauerstoff: Falls verfügbar, sofort verabreichen.

Medikamente ersetzen niemals den Abstieg! Sie dienen nur dazu, den Patienten transportfähig zu machen.

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